Die berühmten karierten Maiglöckchen

Die berühmten karierten Maiglöckchen oder: das suchen, was nicht zu finden ist

Bereits an anderer Stelle bin ich schon auf die Erwartungen der Reisenden eingegangen, ich tue es hier nochmals.
Stellen Sie sich vor, Sie würden in eine Region fahren, in der noch kein Massentourismus herrscht, sondern alles noch so ist, wie es fast immer war. Welche Erwartungen sollte man da haben?

Der Unterschied zwischen Wunschdenken und Realität

bei maratea
bei maratea

Leider haben die meisten Touristen (ich meine nicht die echten Reisenden) die Vorstellung, jeder kann an jedem Ort alles finden – wahrscheinlich liegt diese Erwartung auch noch im tiefsten Dschungel vor. Wenn dann etwas einfach nicht so ist, weil es nicht sein kann, ist das Gezeter groß – und wer trägt die Schuld? Der Einfachheit halber der Reiseveranstalter.

Ein Wort an die Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, einmal ein anderes, nämlich originales Italien kennenzulernen.
Reisen bedeutet nicht, dass man sich ein Urlaubsziel wählt, das Flugzeug besteigt und dann dort ankommt, ohne auch nur ein wenig davon zu wissen, wohin man reist. Dies kann jeder so handhaben, der seine Erwartung in einen schönen Strandurlaub setzt, aber niemand, der eine Reise mit kulturellen Ansprüchen unternimmt und dazu noch in ein ursprünglich gebliebenes Gebiet.

Nord-und Süditalien – zwei Welten

Darstellung des Nils in Bagnaia
Darstellung des Nils in Bagnaia

Italien hat sehr viele unterschiedliche Gesichter. Das geht vom industriellen Norden, also die Gegend um Mailand oder dem touristisch stark frequentierten Südtirol bis hinunter in den Süden Italiens, wo ein großer Teil der Kulturgüter aus hellenistischer und römischer Vergangenheit zu finden ist.

Nun ist es aber so, dass nicht in jedem Teil Italiens die Hotels die gleichen Standards haben. Ein 4*-Hotel im Norden ist etwas vollkommen anderes als eines im Süden. Dazu muss man sich vor Augen halten, dass das nördliche Italien weitaus mehr den „gängigen“ Standards angeglichen ist, als weiter südlich. Dies hängt auch von der unterschiedlichen Mentalität ab.

Was einen Norditaliener zur Weißglut bringen kann verleitet einen Süditaliener eher zu einem Lächeln, einem Achselzucken und dem berühmt-berüchtigten Satz: Non ti preoccupare (in Deutsch „Reg dich nicht auf“). Eine Fluse im Hotelzimmer ist kein Grund aus der Haut zu fahren – zumindest nicht im Süden.

Die Gretchenfrage – welches Hotel kommt in Frage

Dann kommt die Größe der Hotelzimmer dazu. Die von Ausländern noch nicht überrannten Gegenden verfügen über

Hotel in Castel Gandolfo
Hotel in Castel Gandolfo

Hotels mit meist ziemlich kleinen Zimmern, selbst in der gehobenen Klasse. Dies rührt daher, dass Italiener das Hotelzimmer als den Ort zum Schlafen betrachten, aber nicht zum permanenten Aufenthalt. Hauptsächlich die Touristen aus nördlichen Gefilden bemängeln diese Zimmergrößen und noch erschwerend hinzukommend, die oft recht kleinen Duschkabinen.
Hat man dann ein gutes Hotel gerade erbaut, um den Ansprüchen nach Größe und geräumiger Dusche gerecht zu werden, kommt die nächste Mängelrüge. Das Hotel ist hellhörig, da aus Beton gebaut, der zwar erdbebensicher, aber eben nicht schalldicht ist.

Nun kann man auf eine alte Villa ausweichen, die in ein Hotel der wirklich stilvollen und eleganten Ausführung umgewandelt wurde. Da beginnt dann die Klage über den Mangel an Aufzug – weil der nicht genehmigt wird, wenn die Villa zu den architektonischen Schätzen zählt. Dann bröckelt u.U. etwas Verputz von der Wand, die Wände sind nicht pfeilgerade und die Zimmer sind alle voneinander verschieden, weil die Zimmergrößen eben die bleiben müssen, die sie schon immer waren. Dies bringt vor allem dann Unmut, wenn es sich um eine Gruppenreise handelt und jeder findet, das Zimmer des Nachbarn sei besser als das eigene.

Frascati
Frascati

Ganz übel wird es für den Veranstalter mit einer Gruppe, die bestimmte Qualitätsmerkmale bei einem Hotel voraussetzt obwohl die Hotelangabe inklusive Website des Hotels ausgeschrieben war. Niedliche, kuschelige kleine Hotels (Villen), abseits der Touristenpfade, ruhig und beschaulich gelegen. Wenn es sich nun um eine Reise in eine im Ausland unbekannte Gegend handelt, die für Italiener aber sehr wohl als fantastisches Urlaubsgebiet gilt, wird es unter Umständen richtig schlimm.
Es gibt relativ viele Gebiete, in denen schlicht und ergreifend keine alten Villen zu finden sind und daraus folgend keine kleinen kuscheligen Unterkünfte. Anstelle dessen moderne Hotels, mit vielen Zimmern und jedem Komfort, in denen auch (italienische und meist etwas lautstärkere) Reisegruppen untergebracht werden. Nun steht der Veranstalter vor der großen Frage: nehme ich diese Reise aus dem Programm, obwohl alles rundherum wunderbar, aber keine Villa zu finden ist oder können sich Kunden mit einem nicht kuscheligen Hotel abfinden und dafür tolle Erlebnisse haben.

Was haben Sie im Urlaub eigentlich früher gemacht?

Selbst wenn wir nun einmal die Generalfrage der Unterkunft außer Acht lassen, so sind wir noch lange nicht am

Ripatransone, Marken
Ripatransone, Marken

Ende der Fahnenstange der Beschwerden angekommen.
Warum hat das 4*-Hotel nicht überall WiFi? Warum sehen wir keine deutschen Fernsehprogramme? Warum hat mein iPhone keinen Empfang, immer und überall? Warum finde ich keine deutsche Tageszeitung?
Meine Reisen führen in die Gegenden, die abseits des Massentourismus liegen. Das hat, wie jede Medaille, immer zwei Seiten.
Die meisten Hotels haben mittlerweile WiFi überall in den Zimmern. Ob das dann auch in jedem Zimmer funktioniert ist die andere Frage. Schon wenn ein Zimmer eine ungünstige Lage hat oder der Sendemast vom Hotel weit entfernt liegt, ist Schluss mit WiFi und iPhone. Mit den deutschen Fernsehprogrammen via Receiver ist es ähnlich. Und deutsche Tageszeitungen? Ja, fragen Sie mal in einer deutschen Kleinstadt nach einer italienischen Tageszeitung…Am Münchner Flughafen kein Thema, in Mailand und Rom auch nicht.

Juni-Impressionen
Juni-Impressionen

Ich habe mittlerweile schon viele Male erlebt, dass Gäste an ihrer iPhone -oder WiFi-Verbindung, die nicht funktionierte, schlicht verzweifelt sind und es dann aufgaben. Am Ende der Reise stellten sie fest, dass die Welt sich auch ohne sie weitergedreht hat – ohne Blick zurück im Zorn, aber auf eine wunderbare Woche.

Lieber Leser, vielleicht mögen Sie meine Darstellung für übertrieben halten, aber sie entspricht leider den selbst gemachten Erfahrungen.
Eventuell fragen Sie sich selbst einmal, in wie weit das auch auf Sie zutreffen könnte.

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