Die Hügellandschaft der Marken

Wie Saphire – die Hügellandschaft der Marken

Das Herzstück der Marche ist eine Hügellandschaft, die an einen Fleckerlteppich erinnert.

Montedinove
Montedinove

Zwischen Küstenstreifen und Hochgebirge liegt die liebliche Hügellandschaft der Marken, wie ein grüner Saphir. Sie wurde von vielen Schriftstellern gepriesen wegen der unglaublichen Harmonie, die von ihren sanften Wellen ausgeht.

Von oben betrachtet wirken die Felder und Olivenhaine, die Wiesen und die Weinberge wie einfach ausgegossen, hier ein dreieckiges Stück bearbeitetes Land, hier ein paar Reihen Olivenbäume – mitten drin vielleicht ein paar Bäume, die der Bauer lieber umfährt als sie einfach niederzumachen, weil sie bei der Ernte stören. Die im Gebirge entspringenden Flüsse wie Aso, Menocchia, Tesino oder Tronto durchziehen mit ihren Läufen die Hügellandschaft und tragen in deren Tälern zu reichen Ernten bei.

Fermo, Marken
Fermo, Marken

Auf den Anhöhen, mitten im kultivierten Land, haben die Gutsbesitzer ihre „case coloniche“ errichtet, ihre Höfe, die weit ausladend und imposant wie kleine Festungen wirken. In früheren Zeiten beherbergten sie im Erdgeschoss das Vieh, der erste Stock diente als Wohnraum und unterm Dach hatten die Tauben ihr Zuhause.

Auf den Hügelkämmen reihen sich die kleinen Orte wie Wachposten aneinander. Von weitem sieht der Besucher ihre Türme oder Stadtmauern. In der Tat waren sie auch, jede für sich, als Städte der Verteidigung gedacht.  Die Städte hatten im Mittelalter – und auch schon lange davor – ihre eigenen Rechtssprechungen, ihre eigenen Gesetze. Sie hatten sich zwar immer entweder dem Papst oder dem Kaiser zu beugen, aber der Rest war Angelegenheit jeder einzelnen Kommune.

Die Städte und ihre Eigenheiten

Nachdem der Marchigianer aber von Natur aus recht unbeugsam und im besten Sinne stolz ist, gab es Städte, die sich nicht scheuten, im schlimmsten Fall sogar gegen Papst und Kaiser anzutreten.

Unsere Orte sind heute wie früher sehr klein. Die Einwohnerzahlen liegen zwischen ca. 200 und 8.000, nur San

Moresco, Marken
Moresco, Marken

Benedetto, Ascoli und Fermo sind mit nahezu 55.000 schon wahre Großstädte.

Jedes Städtchen weist seine eigene charakteristische Bauweise auf, abhängig vom Baumaterial: so ist beispielsweise Ascoli Piceno im mittelalterlichen Stadtkern ganz aus Travertinstein gebaut, Offida aus Ziegelsteinen, die der Stadt diese gemütliche Atmosphäre verleiht, zum Gebirge hin wurden Natursteine verwendet.

In ihren Ortskernen fühlt sich der Besucher zurückversetzt in vergangene Jahrhunderte. Häufig treffen wir die alten, unebenen Pflastersteine an, Sträßchen, die alles andere als für modernen Autoverkehr geeignet sind, kleine Winkel und Hauseingänge, übersät mit Blumentöpfen und Ausblicke auf die Umgebung, die manchmal in ihrer Schönheit beinahe unwirklich scheinen.

Warum Le Marche besuchen?

Die Panoramen gehen nahezu von jedem Punkt aus über die ganze Marche und je nach Jahreszeit ändern sie sich. Die „giorni limpidi“, die klaren Tage, sind die schönsten. Die Frühsommermonate mit ihren frischen Farben, wenn alles so aussieht wie neu erschaffen, die kühlen Wintertage, mit der reinen Luft…man gerät leicht ins Schwärmen, denn dem Betrachter bietet sich eine Landschaft, die er nicht erwartet.

Wir sind die Mischung aus der Lieblichkeit der Toskana und dem raueren Umbrien. Vielleicht ist es gerade das, was

Petritoli, Marken
Petritoli, Marken

die Marche so reizvoll macht. Und sicherlich ist es ein guter Teil „Unverbrauchtheit“, der nur da zu finden ist, wo nicht der Tourismus regiert.

Die Marchigianer – Preußen Italiens

Oft werde ich von Gästen gefragt, wie es kommt, dass alles so gepflegt und liebevoll hergerichtet aussieht. Die Antwort ist einfach: die Marchigianer tun es für sich selbst, zu ihrer eigenen Freude und nicht für Touristen.  Sie werden nicht umsonst im positivsten Sinn der Worte Preußen Italiens genannt, denn sie sind an Korrektheit und Ordnungsliebe kaum zu überbieten.

Ein ganz besonderer Menschenschlag

Wenn Fremde ihre Orte besuchen kann es passieren, dass sie von Einheimischen angesprochen und einfach willkommen geheißen werden, denn gemeinsam ist diesem Menschenschlag eines: die große Liebe zu ihrer Heimat, ein ernsthaftes und dennoch heiteres Naturell und eine wunderbare Gastfreundschaft, die demjenigen zuteil wird, der ihnen mit Respekt und Aufrichtigkeit entgegentritt. Es ist nicht leicht, die Freundschaft eines Marchigianers zu gewinnen, aber wer sie errungen hat, dem bleibt sie für immer.

Ich, die Ausländerin – Eigenerfahrung

Ich als Ausländerin oder „Zugereiste“ hatte niemals Probleme mich als Einheimische zu fühlen. Die Marchigianer haben mich in ihrer Mitte aufgenommen, als sei ich wirklich dort geboren. Mag sein, dass es vielleicht die Liebe zu den Marken ist, die jeder spürt oder einfach nur, weil ich mich auch nie als Fremde gefühlt habe. Meine Erfahrungen mit meinen „Landsleuten“ sind einfach nur als allerbestens zu beurteilen.

bei Ripatransone
bei Ripatransone

Meine Nachbarn zum Beispiel, die in der Zeit meiner Abwesenheit nach dem Rechten schauten und feststellten, dass durch eine feuchte Mauer der Putz abgebröckelt war und das Zimmer entsetzlich aussah. Was taten sie? Sie fragten mich um Erlaubnis, ob sie das Zimmer reinigen dürften!

Wenn mich meine Nachbarn ein paar Tage lang nicht sehen kommt jemand vorbei oder ruft mich an, ob alles in Ordnung sei. Es sind aber nicht nur die Nachbarn. Es würde eine sehr lange Liste geben, würde ich alles aufzählen, was mir schon an Gutem hier widerfahren ist – und nicht nur mir.

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