Italienische Autofahrer – ein Gräuel?

Immer wieder höre ich, dass es ein Gräuel sei, in Italien Auto zu fahren. Eigentlich würde ich das Gegenteil sagen.
Bei den vielen Fahrten zwischen Italien und Deutschland habe ich leider immer festgestellt, dass es weitaus entspannter im italienischen Straßenverkehr zugeht als anderswo. Selbst auf der Autobahn, dank der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 km/h und natürlich der Maut, der doch viele davon abhält, bei jeder Gelegenheit diese zu benutzen.

Selbsterfahrungen und das berühmte Warum

keine Straßen für schnelle Autos
keine Straßen für schnelle Autos

Nun stellt sich die Frage nach dem Warum.
Nur ein paar Beispiele und Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe.
Als ich Kunden abholen musste, habe ich mich in die Ausfahrt einer Tankstelle gestellt. Ich habe ca. eine halbe Stunde gewartet, bis die Kunden ankamen. In diesen 30 Minuten haben 11 (elf) Autos angehalten, weil die Fahrer meinten, ich wollte einfädeln. Wie viele Autofahrer hätten in anderen Ländern angehalten?

Ich fahre gerne Auto in Rom oder Neapel, selbst wenn schon beim Gedanken daran vielen die Gänsehaut aufläuft. Warum? Es genügt das Setzen des Blinkers, dann einfach fahren und jeder wird Sie gerne einfädeln lassen – natürlich nur, wenn nicht gerade ein anderes Auto auf Ihrer Höhe ist.

Zebrastreifen – nicht nur zur Straßenbemalung

Verkehrshindernis auf Italienisch - Schafe
Verkehrshindernis auf Italienisch – Schafe

Das Gleiche gilt für Zebrastreifen. Wie oft höre ich, dass italienische Autofahrer an Zebrastreifen nicht halten. Das ist leicht beantwortet. Wenn jemand die Straße überqueren will, muss er nur einfach den Bürgersteig ohne Verzögerung verlassen – gut, bei einem riesigen LKW, der längere Bremswege hat, würde ich das auch nicht unbedingt machen, aber ansonsten vollkommen beruhigt die Straße überqueren. Jeder Fahrer hält sofort an, wenn er die Absicht des Fußgängers erkennt, die Straße zu überqueren. Bleibt man am Straßenrand einfach wartend stehen ist es nicht ein deutliches Zeichen für das Passieren der Fahrbahn. Selbst wenn es Ihnen unglaublich erscheint, so ist es doch die Wahrheit, dass italienische Autofahrer sehr viel rücksichtsvoller sind als in anderen Ländern.

Entschiedenheit und defensives Fahren

Ein weiteres Beispiel dazu wieder aus eigener Erfahrung. In einer ziemlich großen Stadt in Deutschland stand ich 10

Römerbrücke in Ascoli
Römerbrücke in Ascoli

Minuten, um überhaupt die Spur wechseln zu können. Fluchende Autofahrer, weil ich ja den Verkehr blockierte, viele mit dem berühmten Stinkefinger…es kam keiner auf die Idee kurz anzuhalten um mich einfach die Spur wechseln zu lassen, obwohl ich den Blinker gesetzt hatte. So was ist eben Wilder Westen auf den Staßen!

Ich nehme hier nicht italienische Autofahrer in Schutz, denn schwarze Schafe gibt es überall, aber viele ausländische  Fahrer haben ein Problem mit der Zügigkeit. Das kann ich sogar gut verstehen, denn anderswo würde ich auch nicht einfach den Blinker setzen und die Spur wechseln. Da wäre meist der Crash schon vorprogrammiert.

Italienische Autofahrer nutzen zwar häufig die Hupe – im Vergleich zu früheren Jahren jedoch sehr viel weniger – aber das ist lediglich ein Mittel um auf eventuelle Probleme hinzuweisen. Vor einigen Tagen habe ich das erst beobachtet. Es war ein ausländischer Autofahrer in einem VW-Transporter. Er fuhr ohne den Blinker zu setzen und im Schneckentempo in eine Tankstelleneinfahrt. Das nachfolgende Fahrzeug wäre um Haaresbreite auf den VW-Bus aufgefahren und der Fahrer hupte. Anstelle eines Zeichens der Entschuldigung zeigte der Fahrer jedoch den Stinkefinger, vor Wut schnaubend, dass es jemand gewagt hatte, ihn anzuhupen. Ich möchte hiermit aber nicht sagen, dass jeder ausländische Autofahrer sich so benimmt.

Herausforderungen für Busfahrer
Herausforderungen für Busfahrer

Noch ein weiteres Beispiel aus eigener Erfahrung. Ein 12 m langer Bus musste umkehren, weil es eine Unterführung gab, durch die er nicht hindurch gekommen wäre. Der Fahrer nutzte eine Stelle um umzukehren, wo das überhaupt möglich war, doch nicht ohne mehrmaliges Rangieren. Somit behinderte er den fließenden Verkehr auf allen Seiten. Es gab kein Auto, das gehupt hätte, keiner, der sich darüber aufgeregt hätte, obwohl die Autoschlange mittlerweile schon einige Hundert Meter lang war. Viele Fahrer lächelten uns dann zu und machten dem Fahrer ein OK-Zeichen für seine Fahrkünste.

Eines ist in allen Ländern gleich: ein freundliches Lächeln, ein Zeichen für Entschuldigung bei einem Fahrfehler lässt jeden genauso freundlich antworten. Wie wäre es mit etwas mehr Rücksicht und Geduld im Straßenverkehr?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *